Stollberg, 11. Januar 2024 – In einer Zeit, in der der Weihnachtszauber noch in der Luft liegt, hat das Erzgebirge wieder einmal seine kulturellen Schätze präsentiert. Am Samstag, den 6. Januar 2024, verwandelte sich die Innenstadt von Stollberg in eine Bühne für das traditionelle Heilige-Drei-Könige-Fest. Tausende Besucher aus der Region und darüber hinaus kamen zusammen, um den Einzug der Weisen aus dem Morgenland zu feiern. Diese jährliche Veranstaltung, tief verwurzelt in den Bräuchen des Erzgebirges, bot nicht nur spirituelle Tiefe, sondern auch familiäre Freude und kulinarische Genüsse.
Die Geschichte des Dreikönigsfests im Erzgebirge
Das Fest der Heiligen Drei Könige, auch Epiphanie genannt, erinnert an die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Orient. In Deutschland, insbesondere in katholisch geprägten Regionen, ist es seit Jahrhunderten ein Höhepunkt des Winterkalenders. Im protestantischen Erzgebirge hat sich die Tradition dennoch erhalten und mit lokalen Elementen angereichert. In Stollberg, einer Stadt mit reicher Bergbau- und Handwerkstradition, wird das Fest seit über 50 Jahren organisiert. Die Wurzeln reichen zurück ins 19. Jahrhundert, als Sternsinger von Haus zu Haus zogen, um Segen zu spenden und für Bedürftige zu sammeln.
Heute ist die Feier ein großes Volksfest. Der Verein "Drei Könige Stollberg e.V.", gegründet 1972, koordiniert die Vorbereitungen monatelang. "Es ist mehr als nur eine Parade – es ist ein Stück lebendige Kultur, das Generationen verbindet", erklärt Vorsitzender Markus Lehmann in einem Exklusivinterview mit Stollberg Feiert. Lehmann, ein lokaler Unternehmer, betont die Rolle der Jugend: Über 200 Kinder und Jugendliche wirkten als Sternsinger mit, bekleidet mit weißen Gewändern, goldenen Kronen und bemalten Gesichtern.
Der Ablauf des Festes am 6. Januar 2024
Pünktlich um 15 Uhr startete die Prozession am Rathausplatz. Kaspar, Melchior und Balthasar – dargestellt von drei prominenten Stollbergern in opulenten Roben aus Samt und Goldbrokat – ritten auf geschmückten Pferden voran. Begleitet wurden sie vom Sternträger, einem Jungen mit einem leuchtenden Stern aus Holz und Folie, der das Symbol des Wandelsterns darstellt. Dahinter marschierte der Zug mit Musikern der Stollberger Blaskapelle, die mit Marschmusik und Weihnachtsliedern für Stimmung sorgten.
Der Weg führte über die Hauptstraße, vorbei an historischen Fachwerkhäusern, die im Schnee glänzten. Die Zuschauer, dick eingemummelt in Wintermäntel, jubelten und warfen Konfetti. Kinder streckten die Hände aus, um Süßigkeiten von den Sternsingern zu erhalten. Um 16 Uhr erreichte der Zug die Marktkirche, wo Pfarrer Dr. Elena Schuster eine festliche Andacht abhielt. "Die Drei Könige bringen Licht in die dunkle Jahreszeit", predigte sie und segnete Kreide und Weihrauch, die traditionell an den Hausrahmen geschrieben werden: 20C+M+B24 – für Caspar, Melchior, Balthasar und Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus).
Nach der kirchlichen Feier öffnete sich der Festplatz auf dem Marktplatz. Hier boten Stände regionale Spezialitäten: Glühwein mit Erzgebirge-Kräutern, Stollen, Würstchen vom Grill und handgefertigte Kerzen. Besonders beliebt war der Dreikönigskuchen, gefüllt mit Marzipan und verstecktem Königskuchen-Mandeln – wer die Mandel fand, wurde zum "König des Abends" gekrönt. Live-Musik von der Folklore-Gruppe "Erzgebirgler Stimmen" rundete das Programm ab.
Highlights und besondere Momente
Ein Höhepunkt war der Auftritt der Jugendgruppe. 50 Sternsinger sangen "Von drei Königen" und sammelten Spenden für wohltätige Zwecke. In diesem Jahr ging der Erlös an die Flüchtlingshilfe in Stollberg – über 2.500 Euro wurden zusammengetragen. "Die Kinder lernen Solidarität und Tradition", freute sich Lehrerin Sabine Müller, die die Gruppe begleitete.
Wettertechnisch spielte das Schicksal mit: Leichter Schneefall sorgte für eine wintermärchenhafte Atmosphäre, ohne die Kälte zu sehr zu beißen. Die Stadt hatte Wege geräumt und Heizpilze aufgestellt. Bürgermeisterin Andrea Wagner nahm teil und überreichte den Königen symbolisch goldene Schlüssel zur Stadt. "Stollberg lebt von solchen Events", betonte sie. "Sie stärken den Zusammenhalt in unserer Gemeinde."
Fotografen und Besucher mit Smartphones dokumentierten jeden Moment. Social-Media-Kanäle der Stadt explodierten mit Hashtags wie #DreikoenigeStollberg und #ErzgebirgeMagie. Ein Viralvideo des Sternzugs erreichte innerhalb von Stunden 10.000 Aufrufe.
Kulturelle Bedeutung für Stollberg und Erzgebirge
Im Erzgebirge, bekannt für Nussknacker, Pyramiden und Schwibbögen, ist das Dreikönigsfest ein Bindeglied zwischen Weihnachten und Fastnacht. Es bewahrt Handwerkstraditionen: Viele Kostüme und Sterne stammen aus lokalen Werkstätten. Die Feier unterstreicht die Identität der Region als UNESCO-Weltkulturerbe für Bergbau und Handwerk.
Verglichen mit früheren Jahren war 2024 besonders lebendig. Nach den Corona-Einschränkungen boomte die Teilnahme. Organisatoren melden 4.000 bis 5.000 Gäste – ein Rekord. "Die Pandemie hat uns gelehrt, wie wertvoll solche Treffen sind", sagt Lehmann.
Ausblick: Nächste Feste im Kalender
Wer das Fest verpasst hat, muss nicht trauern. Im Erzgebirge winken bald das Schäferlauf-Fest in Geyer oder das Junkerfest in Schneeberg. In Stollberg plant der Verein schon die Ausgabe von Kreide für Hausbesuche. Die Sternsinger ziehen bis Ende Januar durch die Straßen.
Das Drei-Könige-Fest 2024 war ein voller Erfolg und ein Beweis für die Vitalität der lokalen Kultur. Es erinnert uns: In Zeiten des Wandels halten Traditionen die Gemeinschaft zusammen. Bleiben Sie dran bei Stollberg Feiert für mehr Berichte aus der Region!
Foto: Drei Könige auf dem Marktplatz (privat). Wortzahl: 912



